IBM Watson

b1-Berater und Computing-Experte Stefan Holtel gab auf dem Berliner Treffen der Digitalgesellschaft re:publica 2014 einen deutlichen Warnschuss ab:

Wenn wir uns jetzt nicht schleunigst um Maschinenintelligenz kümmern, kümmert sie sich um uns!

Datenbeschaffung und -analyse in Echtzeit, Fragen an das System und seine Antworten in natürlicher Sprache. All das ist heute mit der IBM-Technik Watson möglich und in der Anwendung. Doch manchmal bedarf es mehrerer Anläufe, bis eine Idee in ihrer ganzen Tragweite erkannt wird. Im Fall künstlicher Intelligenz (KI) – bereits seit Beginn der Computernutzung stets heftig diskutiert, aber bis heute nie wirklich realisiert – erfolgte erst jüngst der Sprung in die Marktreife.

Watson spielt

Was war geschehen? Einer Software wurde beigebracht, in menschlicher Sprache gestellte Fragen zu verstehen, sich selbständig Informationen zu beschaffen, diese extrem schnell auszuwerten und ihre Antworten wiederum gesprochen mitzuteilen. Mit solchen Fähigkeiten gewann diese Software im Februar 2011 gegen zwei menschliche Experten eine Quizsendung. Anschließend investierte das Unternehmen hinter der Software weitere Millionen, um die Software zu einer verkaufbaren Lösung zu machen. Heute setzen erste Anwender diese Software ein. Die Rede ist von Code, dessen Funktion der des menschlichen Denkens erstaunlich nahe kommt.

Watson arbeitet

Heute, drei Jahre nach dem Sieg der KI-Software bei der Quizshow Jeopardy, ist Watson bereits bei Behörden, Institutionen und Unternehmen in den USA im Einsatz. Die Software unterstützt dort Onkologen bei der Behandlung von Krebspatienten, führt natürlichsprachliche Verkaufsberatungen bei einer Bekleidungsmarke oder leitet aus der permanenten Analyse digitaler Medien (Blogs, Facebook, Zeitungen, Foren) ab, welche Themen sich als gesellschaftliches Mem abzeichnen und welche davon auf die Agenda der Wirtschaft gehoben werden sollten.

Watson wartet

Klingt nicht grade nach einer Revolution? Wie man´s nimmt! Es gibt in der Tat weder Aufschreie gegen noch Euphorie für die jetzt definitiv verfügbare KI-Technik. Der Markt reagiert spröde auf die neuen Möglichkeiten und der weltweite Aha!-Effekt in den Medien blieb aus. Doch genau das ist das Paradoxon der Quantensprünge: Sie sind gewaltig, aber man sieht sie nicht. Stefan Holtel indessen ist sich sicher:

„KI oder Cognitive Computing (denkende Computer) sind weit mehr als eine neue technische Evolutionsstufe nach Mechanisierung, Massenfertigung und Automatisierung.“

Mit ihr komme nicht nur das kognitive, also denkende und lernende Element mechanisiert und außermenschlich zur Anwendung, sondern erstmals auch eine ganze Reihe neuer Fragen, zum Beispiel: Wollen wir Entscheidungen über finanzielle oder politische Engagements, über Rechtslagen, medizinische Befunde oder Ausweichmanöver wirklich einer Software überlassen?

Watson wird größer

Vor diesem Hintergrund müssen sich Gesellschaften entscheiden, welche Spielräume sie einer solchen Technologie überlassen. Und Industrien müssen sich fragen, wie lange sie es sich leisten können, diese neue Technik zu ignorieren. Denn KI ist schlichtweg da, und sie drängt mit dem Druck eines Unternehmens, das seine Investitionen amortisieren will, vor allem aber mit der ihr eigenen gleichgültig-rationalen Macht in die Märkte. Bedeutet: Wenn wir uns nicht mit ihr beschäftigen, wird sie es schon bald mit uns tun.

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